| Rudolf Herz ---> SCHAUPLATZ |
SCHAUPLATZ SCENE Kunstforum / Städtische Galerie im Lenbachhaus, München 1988 |
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Rote Pfeiler verwandeln das kellerartige "Kunstforum" in eine unterirdische Ehrenhalle. Hinter den Pfeilern die triumphierende Geste der revolutionären Matrosen aus der Schlußeinstellung von Eisensteins "Panzerkreuzer Potemkim". Mit dieser Apotheose erhebt sich der Jubiläumsfilm über den faktischen Ablauf der Ereignisse, über die Niederlage der Revolte von 1905 und projiziert den Sieg der Oktoberrevolution von 1917 auf das Jahr 1905 zurück. Das ist mehr als nur ein siegreicher Abschluß in retrospektiver Sicht, das ist sozialistische Zukunftsgewißheit. Eisensteins Film wurde selbst zur Ikone der russischen Revolution und revolutionierte die Filmkunst. Nicht von ungefähr hat man Eisenstein mit Giotto verglichen. Der Panzerkreuzerflim ist eine Parabel einer Revolute. Eine "strenge Tragödienkomposition" mit fünf Akten, sagte Eisenstein. Und verglich sein Werk mit einem griechischen Tempel, "denn die Architektur des Panzerkreuzers Potemkin ist ihm in Harmonie, Schönheit und Majestät ebenbürtig." So mißt sich das Neue unausweichlich mit dem Alten und überspringt die Grenzen der Disziplin. In der Großvergrößerung des Schiffrumpfes ist die Geste des Triumphes stillgestellt, die Matrosen winken auf ewig dem Betrachter zu, himmelstürmend mit dem Schiffsbug zu einer steil aufragenden Pyramide verschmolzen. Doch wie die Pfeiler vor das Bild geschoben sind, ist dieses nur ausschnittweise zu sehen und wirkt die übermächtige Präsenz des revolutionären Pathos deutlich gebrochen. Ähnlich auch die Würdeform der Ehrenhalle, changieren doch die Pfeiler zwischen herrschaftlicher Monumentalität und serieller Industrieform. Damit treibt die Montage zweier theatralischer Fragmente den Widerspruch in Eisensteins klassizistisch orientierter Selbsteinschätzung noch ein Stück weiter. Mit dem Zitat ist die Flimgeschichte wie auch das geschichtliche Ereignis gemeint. Der Raum wird zum Mausoleum des revolutionären Elans, zum Revolutionsmuseum. Doch nicht auf Dauer. Die Architektur ist improvisiert wie eine Filmkulisse, der Abbruch vorgeplant. Auch das Lenin-Mausoleum war ursprünglich aus Holz, bevor es aus rotem Porphyr neu erbaut wurde. Das Schlachtschiff zwischen den Pfeilern im Untergrund. Kein Denkmal, sondern ein Denkbiid über das Erbe und die Geschichtsbilder der Revolution in einer revolutionsfernen Zelt, bewacht nicht von Revolutionswächtern, sondern von einem Museumswärter, dokumentiert allein in ein paar Fotografien. |
Red pillars transform the cellar-like "Kunstforum" (art forum) into a subterranean hall of honour. Beyond the pillars the triumphant gesture of the revolutionary sailors from the final shot of Eisenstein's film "The Battleship Potemkin". With this apotheosis the jubilee film rises above the factual sequence of events, goes beyond the crushing of the revolt in 1905 and projects the victory of the October Revolution of 1917 back to the year 1905. This is more than just a victorious finish viewed retrospectively, this is socialistic future certainty. |
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