Rudolf Herz

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IN ERWARTUNG DER ERNTE
IN EXPECTATION OF THE HARVEST

Engen-Welschingen
Entwurf 1995, Realisierung 1996



Für die Straßenmeisterei in Engen-Weischingen habe ich die Skulptur "In Erwartung der Ernte" entworfen: Auf einer Wiese werden Birnbäume gepflanzt und neben drei Bäumen Leitern aufgestellt. Diese sind den bei der Obsternte im Bodenseegebiet oft gebräuchlichen Holzleitern nachgebildet, in Stahl ausgeführt und im Erdboden verankert.

Die Gestaltung der Anlage erscheint irgendwie unsinnig, wie eine Fehlplanung. Neben den jungen Obstbäumen, die noch Jahre wachsen müssen, bis sie Früchte tragen, stehen bereits lange Leitern. Sie ragen über die Bäume weit hinaus in den Himmel. Sommer wie Winter, zu allen Jahreszeiten stehen sie auf der Wiese.

Mit der Aufstellung der Leitern und Pflanzung der Bäume ist das Werk nicht abgeschlossen. Es realisiert sich im Lauf der Jahre - mit dem Wachstum der Bäume. Gehen wir davon aus, daß die Bäume wie vorgesehen wachsen, so wandelt sich das Bild und verändern sich die Proportionen. Die Bäume werden größer, überragen die Leitern und bedecken sie schließlich mit ihrer Krone. Dann stehen die Leitern in den Bäumen.

Die Gegenwart der Leitern verweist fortwährend auf eine zukünftige Ernte. Diese ist aber gar nicht sicher. Genaugenommen kann man gar nicht einmal sagen, ob die Bäume überhaupt wachsen und Früchte tragen werden. Um diese meist selbstverständliche Annahme, die Vorwegnahme einer vermeintlich gewissen und auch planbaren Zukunft kreist die Versuchsanordnung. Und zugleich um die Frage: Hat nicht auch ein Kunstwerk, wenn es denn gelungen ist, etwas mit einer Ernte gemeinsam? Hängt sein Gelingen nicht auch davon ab, daß sein Urheber Glück hat, daß etwas geschieht, was außerhalb seines eigenen Zutuns liegt?

I created the sculpture "In Expectation of the Harvest" for the state office for Road Construction in Engen-Welschingen, near Lake Constance in Southern Germany: In a large meadow, pear-trees were planted and next to three of trees I had three ladders installed. These ladders are an imitation of those normally used for the harvest in this area, but built in steel and anchored in the ground.

The scenario is somewhat nonsensical. Next to the young trees, which still have to grow for some years until they bear fruit, there are big ladders rising above the trees and reaching up to the sky. They stand in the meadow, summer and winter, in all weathers.

The work is not completed with the planting of trees and ladders. It will be realised in the course of years – along with the growth of the trees. Assuming that the trees grow according to plan, both the visual image and the proportions of the arrangement will change. The trees will grow bigger, will rise above the ladders and their foliage and crowns will finally cover them.

The presence of the ladders will continually refer to a harvest that isn´t even certain to come.Strictly speaking, one cannot predict if the trees will actually grow and bear fruit. The arrangement of harvest ladders and trees thus puts focus on the frequent foregone conclusion that the future is definable and can always be planned. At the same time it poses the question: doesn´t a work of art, if it´s successful, have something in common with a harvest anyway? Doesn´t its success also depend on the fact, that it´s creator is lucky when something comes into being which is completely out of his human sphere of control?