Rudolf Herz

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DER MANN, DER DEN TEMPEL ANZÜNDETE, UM UNSTERBLICH ZU WERDEN
THE MAN, WHO SET FIRE TO TEMPLE TO BECOME IMMORTAL


Künstlergruppe Teilbereich Kunst
(Rudolf Herz, Stephan Huber, Thomas Lehnerer)
Akademie der Bildenden Künste 1980



Herostratos, der Mann, der das Allerheiligste einzig aus dem Grund schändete, damit sein Name der Nachwelt unvergessen bleibe. Das Verbot, seinen Namen auch nur zu nennen, schien den Ephesern die einzig gerechte Strafe. Dieses Verbot wurde von Theopomp zum ersten Mal und durch die Festschreibung in unserem allgemeinen Lexikon für immer durchbrochen.

Die erneute und explizite Veröffentlichung seines Namens durch die Gruppe Teilbereich Kunst in der Akademie der Bildenden Künste (angekündigt auf Plakaten mit dem Text "Der Mann, der den Tempel anzündete, um unsterblich zu werden") stellt deshalb einen expliziten Durchbruch des alten Verbotes dar und ist dadurch unmittelbar Verweis auf sein Tatmotiv. Dies steht für die Existenzbedingungen des Künstlers, die maßgeblich durch Veräußerung bestimmt sind. Der Wille zur Kommunikation wird durch die vom Warentausch bestimmte Kultur zum Zwang, sich medial zu entäußern, d.h. die subjektive Ohnmacht in der Macht des verewigenden Mediums aufzuheben.

Herostratos, das Gegenbild zum klassisch griechischen Menschenideal, ist also nicht Ausdruck der Kehrseite gegenwärtiger Kunstproduktion geworden, sondern entspricht vielmehr dem Wesen dieser Kunstproduktion. Die erneute Veröffentlichung seines Namens (Tafel) und seiner Tat (Lexikon) ist das eine Moment unserer Arbeit. Das andere Moment beschäftigt sich mit der besonderen d.h. dieser und der allgemeinen Aufhebung radikaler Kunst durch gesellschaftliche Integration: sie erscheint als künstlerische Arbeit.

Herostratos, the man who desecrated the holy of holies solely in order that his name be remembered by future generations. The ban on even mentioning his name seemed the only just punishment to the Ephesians. This sanction was broken once and for all by Theopomp and it being recorded in our general dictionaries.

The renewed publication of his name by "Teilbereich Kunst" (Section Group Art) thus represents an explicit breach of the old sanction and is thus a direct reference to his motive. This symbolises the conditions of existence for the artist, which are decisively determined by alienation. Owing to our culture, which is defined by the exchange of goods, the will to communicate is turned into the compulsion for selfrealisation in the media, i.e. to alleviate the subjective helplessness in the power of the eternalising medium.

Herostratos, the antithesis of the classical Greek human ideal has therefore not become the expression of the reverse of contemporary art production but corresponds far more to the nature of this art production. The renewed publication of his name (mural), and his crime (reference book), is one moment of our work. The other moment is concerned with all that is special, i.e. this and the general acceptance of radical art through social integration: it makes its appearance as artistic work.